PianoPassion

Klavierunterricht in Freiburg,
Michael Köllner

Rolfing

Visionärin, Wegbereiterin, Vordenkerin: Ida Rolf und die Strukturelle Integration

Die promovierte Biochemikerin Ida Rolf entwickelte in der 1950er Jahren eine Methode, durch eine systematische manuelle Behandlung der Faszien Spannungsmuster im Gewebe zu optimieren und das Gleichgewicht der Körperstruktur wieder herzustellen. Unzählige Menschen haben seitdem von der Strukturellen Integration oder 'Rolfing' profitiert, die über die Jahrzehnte in ihrer Ausübung verfeinert wurde.

Berufliches Interesse und durch chronische Krankheiten in der Familie motiviert, begann Ida Rolf, mit Menschen zu arbeiten. Sie entdeckte, dass der menschliche Körper und seine Struktur durch Bindegewebsmanipulation sehr stark veränderbar sind.

Faszien verleihen dem Körper seine Gestalt, sie bestimmen durch ihren Spannungszustand die Stellung der Knochen und sind grundlegend für die muskuläre Balance. In 10 aufeinander folgenden Sitzungen wird der Körper re-strukturiert und wieder in die optimale Aufrichtung in der Schwerkraft gebracht.

Neben der Anwendung bei gesundheitlichen Problemen (Beckenschiefstand, Skoliose, altersbedingten Verformungen und Verhärtungen von Knochen und Muskeln etc.) nutzen auch viele Künstler*innen, Tänzer*innen und Instrumentalisten diese Methode, um sich energiesparender und eleganter bewegen und feinfühliger ausdrücken können.

Ida Rolf

© David Kirk Campbell

Sie erkannte, dass der Mensch in der Schwerkraft existiert, die Gravitation zieht alles zu Boden. Ida Rolf: "Die eine mag ihren verlorenen Kampf mit der Schwerkraft als scharfen Schmerz im Rücken empfinden, ein anderer als unschmeichelhafte Kontur seines Körpers, wieder ein anderer als ständige Müdigkeit [...]. Diejenigen, die über 40 sind, mögen es Alter nennen - all diese Signale können aber auch auf ein einzelnes, so hervorstechendes Problem in ihrer eigenen Struktur und der anderer Menschen deuten, dass es ignoriert wurde: Sie sind außer Balance geraten."

Andersherum: der Mensch nimmt eine entspannte, aufrechte Haltung ein, weil sich seine Körperstruktur mit der Schwerkraft in Einklang befindet. Der Körper braucht weniger Kraft aufzubringen, um sich aufrecht zu halten. Der Körper funktioniert bez. Nervensystem, Atmung, Kreislauf und Stoffwechsel besser. Die Reaktionsfähigkeit und Sensibilität wachsen, und der Mensch erlebt seinen Körper als harmonisch und vital.

Ursachenbekämpfung statt Symptomlinderung

Meine eigene Geschichte und der Erfolg mit Rolfing

Als junger Mann plagten mich jahrelang heftige Rückenschmerzen und Verkrampfungen von Armen und Händen. Sie machten mir das Klavierspielen zur Qual. Diagnose: Skoliose und Beckenschiefstand.

Ich wurde massiert, mit Reizstrom behandelt, Akupunktur und Homöopathie folgten. Ich bekam Krankengymnastik, manuelle Therapie, Physiotherapie und Schuhsohlenerhöhungen. Ich trieb Sport und kräftigte meine vermeintlich schwachen Muskeln. Der Effekt war immer eine leichte Besserung, aber nie eine wirkliche Veränderung, geschweige denn andauernde Schmerzfreiheit.

Meine Klavierlehrer*innen konnten mir diesbezüglich nicht helfen. Die Ausrichtung des Unterrichts war eher auf die Perfektionierung der Stücke ausgerichtet. Chopins 1. Prélude in C konnte ich nicht spielen, obwohl ich jahrelang daran arbeitete - die Schmerzen setzten sich in den Unterarm fort und ließen mich spätestens nach zwei Seiten derart verkrampfen, dass ich stoppen musste. Rachmaninoffs Prélude in g-moll mit dem wunderschönen Mittelteil, der links allerdings einen durchgehenden Lauf erfordert, war ebenfalls nach ein paar Takten zu Ende: die linke Hand verkrampfte unter Schmerzen. Es war zum Verzweifeln.



Die Methode von Ida Rolf ('Rolfing') war in den 80ern in Deutschland noch relativ unbekannt. Ich war schon immer aufgeschlossen und interessiert, was gesundheitliche Dinge betraf. Ich las mich ein, studierte Berichte und war begeistert von Vorher-Nachher-Fotos. Für mich war sehr schnell klar: diese Behandlung könnte eine Lösung meiner Probleme bieten und endlich die wahren Ursachen korrigieren.

Tatsächlich gab es zu dieser Zeit mehrere ausgebildete Behandler*innen in Freiburg. So begann ich meine erste der auf 10 Sitzungen festgelegten Re-Strukturierung meines Körpers. Das Endergebnis nach einigen Monaten war Schmerzfreiheit, Aufrichtung und Begradigung. Ich bekam ein bewussteres Wahrnehmen meines Körpers und auch meiner Umwelt.

AUF ANHIEB konnte ich den Chopin wie den Rachmaninoff verkrampfungs- und schmerzfrei durchspielen, obwohl ich beide Stücke bis zum Ende der Rolfing-Therapie micht mehr geübt hatte. Ich musste keine Muskeln mehr stärken, das Becken wurde waagrech und die Skoliose verringert. Die Schuhsohlenerhöhung war Geschichte. Sämtliche Therapien, die die Krankenkasse bezahlte und ausschließlich auf Symptomlinderung abzielten, konnte ich mir so für sehr lange Zeit ersparen. Und das Ergebnis hielt über ein Jahrzehnt an!

"Inzwischen habe ich viele meiner eigenen Schüler*innen zum Rolfing geschickt. Nach wie vor bin ich der Auffassung, dass jeder, der ernsthaft ein Instrument spielen und sich ganz allgemein sich künstlerisch ausdrücken möchte, sich durch das Rolfing zu einer besseren, leichteren, ausgewogenen Körperhaltung bringen lassen sollte. Eleganteres Spielen und Leichtigkeit in den Bewegungsabläufen sind nur einige der positiven Konsequenzen. Die Energie kann besser fließen, und viele der Probleme, die durch längeres Üben entstehen können, würden durch Rolfing längst nicht so massiv in den Vordergrund treten und Aufmerksamkeit erfordern."

Rolfing und Klavierspielen

Konsequenzen des Rolfings in meiner Klaviermethodik

Viele meiner Schüler*innen wundern sich, wenn ich sage: bleibe beim Spielen aufrecht, bleibe ruhig. Es geht dabei nicht um eine künstliche Erstarrung, sondern um den effizientesten Zustand, indem sich ein Körper kräftemäßig befinden kann. Aus diesem Nullpunkt heraus sind dann Bewegungen des Körpers beim Spielen sinnvoll. So kann eine erfolgte Bewegung wieder schnell in die Ruheposition zurück pendeln.

Es ist erstaunlich, mit wie wenig Aufwand man Klavier spielen kann. Das Becken ist waagrecht auf dem Sitz positioniert und so die Organe optimal wie in einer Schale gestützt, man sitzt ausbalanciert in der Schwerkraft, Spannung und Entspannung der Muskulatur und des Gewebes halten sich optimal die Waage. Nachvollziehbar, dass diese Herangehensweise ganz grundsätzlich Energie spart bzw. die Energie reibungsloser in die Finger fließen kann.

Ich habe selber am eigenen Leib erfahren dürfen, wie es das Spielen einer Chopin-Etüde vereinfacht, wenn ich ruhig am Klavier sitze und mich nicht zu viel zur Musik bewege - ein eklatanter Unterschied, ein Vermeiden von Kraftvergeudung. Es ist das Gefühl, man schaut von weit oben herab auf die Tasten und kann besser überschauen, was das Fußvolk macht. Besonnenheit und Kontrolle stellen sich ein, schwierige Stellen gelingen leichter.

Es ist und bleibt für mich das A und O, meinen Schüler*innen das richtige Verhalten beim Sitzen zu lehren und Bewegungen zu vermeiden, die nicht für die Gestaltung des Tones wichtig sind. Dies bedeutet keine Starre, sondern es bedeutet das bewusste Einsetzen einer Bewegung, um einen Ton wirklich gewollt zu verändern. Dann ist jede Bewegung legitim. Die Durchlässigkeit des Gewebes heißt auch immer automatisch ein weicher, angenehmer, elegant klingender Anschlag bzw. Kern eines Tones.

Pianist*innen, die sich stark am Klavier bewegen, haben dies zwar perfektioniert, und manche Töne gelingen nur deshalb so, wie sie klingen, WEIL sie an eine bestimmte Bewegungsform gekoppelt sind. Und natürlich beeindruckt das und sieht so unglaublich 'emotional' aus; viele Menschen lassen sich davon mitreißen als besonderes Qualitätsmerkmal (was es nicht ist).

Zu Beginn des Klavierspielens steht immer die Erfahrung, alles auszuschalten, was im Wege steht, Spannungsmuster zu reduzieren, Blockaden aufzulösen, die innere Mitte zu finden. Was benötgt man wirklich, was geschieht unbewusst und steht im Wege? Dass Spielen in Ruhe gelingt, zeigt sich immer noch an vielen Aufnahmen von Vladimir Horowitz, der den großen Gestus zB. eines Lang-Langs in den Bewegungen nicht benötigte.

Weitere Informationen

Rolfer*innen in Freiburg und Links

In Freiburg empfehle ich folgende Rolfer*innen:




Nähere Informationen zum Rolfing gibt es auf der Geschäftsseite der European Rolfing Association unter




Meinen Erfahrungsbericht findet man auch auf der Geschäftsseite der European Rolfing Association unter